Nachbarschaftsnetzwerk für Partizipation und Bürgerengagement

paowao - social media marketing - twitter kanal zur verbreitung von eigenen Inhalten

Nachbarschaftsnetzwerke bieten neue Möglichkeitsräume

Häufig werden Stadtoberhäupter und Verwaltungen in die großen Sozialen Netzwerke gedrängt. Sie sollen eine Fanpage oder Twitterkanal der Stadt anlegen, um ihre Informationen über einen weiteren Kanal zu verteilen und Feedback zu erhalten. Für diesen Zweck können soziale Netzwerke auch genutzt werden. Das gilt auch für Organisationen und Unternehmen.

Doch wer dabei gehofft hat, er könne darüber auch einen BürgerDialog führen, fachliche und sachliche Diskussionen anstoßen oder gar mit den Bürgern Stadtentwicklung betreiben, der wurde bisher schwer enttäuscht.
Wie soll das auch mit einem „Freundschaftsnetzwerk“ funktionieren, dass auf flüchtige Statusmeldungen statt auf nachhaltige Diskurse ausgelegt ist? Facebook und Co. dienen meist als verbaler Blitzableiter und Äußerungen gesellschaftlicher Unzufriedenheit.

In einer 2013 erschienenen Studie der Otto-Benner-Stiftung wurde ein Menetekel der bisher existierenden Nutzung von Social Media sichtbar:

„Verbände und Parteien nutzen soziale Medien vorwiegend für Verlautbarungen und Einweg-Kommunikation.“

Es geht den meisten Interessengruppen primär also immer noch um den „Vertrieb“ von Informationen statt um aktive Beteiligung ihrer Mitglieder.

„Problematisch ist, und das macht die Studie deutlich, wenn die Partizipation von vornherein eingeschränkt wird und ein Partizipationsmythos konstruiert wird.“

„Viele Verbände versprechen eine neue Mitmachkultur, mehr Transparenz und damit eine lebendigere Demokratie. In der grauen Wirklichkeit finden sich vor allem Einbahnstraßenangebote“, so der Leiter der Studie, Olaf Hoffjann.

In den großen sozialen Netzwerken kommunizieren die Nutzer mehr über persönliche Ereignisse, statt über kommunale Themen. Es geht ihnen meist um private Dinge, um die Präsentation und Selbstdarstellung des Ichs, als um das Gemeinwohl und das Wir. Und mal ganz abgesehen von den großen Bedenken des parlamentarischen Staatsekretär im Bundesjustizministerium am Datenschutz von Facebook und Co.

Lösung: ein eigenes „lokales Soziales Netzwerk“ (Social City Network) aufbauen

Damit Netzwerke die kollektive Intelligenz, das Wissen und die Kreativität seiner Teilnehmer auch nutzbar machen können, bedarf es gemeinsamer Wertemuster, einer guten Moderation und ausreichender Filter- und qualitativer Bewertungsmechanismen. Das vermögen Facebook und Co. nicht zu leisten. Deshalb bedarf es intelligenter „Mikro-Netzwerke“ die überschaubare exklusive und strukturierte Inhalte und eine adäquate Aus- und Verwertung bieten.

Deshalb nutzen immer mehr Smart Cities, Organisationen, Verbände, Initiativen, Institutionen, Einrichtungen und Unternehmen solche Mikro-Netzwerke für ihre Kommunikation, Diskussion und Datensammlung.

Denn ohne die Vernetzung der Zielgruppe mit ihren Interessen, Anliegen und Befindlichkeiten sind smarte Services nicht möglich. Das „smart“ bzw. „intelligent“ bezieht sich immer auf die sinnvolle Verknüpfung von gespeicherten Informationen, um dem Nutzer individuell zugeschnittene Angebote machen zu können.

Diese neuen Systeme der Gruppenarbeit bietet den Nutzern meist mehr Datenschutz, bessere Inhaltsstrukturierung, Kategorisierung, Archivierung, Sortierung und Datenfilterung sowie nützliche Funktionen zur Bewertung, Abstimmung und Meinungsäußerung als die großen Sozialen Netzwerke.

Solche Nachbarschaftsnetzwerke schaffen Identität, fördern Gemeinsinn und prägen eine gemeinschaftliche Kultur.

Die Gründe ein eigenes „Location-Based Social Network“ (LBSN) zu betreiben sind vielseitig. Einen starken Boom erleben die Nischen-Netzwerke seit der NSA-Spionageaffäre und dem fragwürdigen Datenschutz bei US-Amerikanischen Betreibern. Seitdem schaffen sich größere Organisationen und Unternehmen ihre eigene Dialog-, Ideen- und Projektplattform an, die unabhängig, selbst kontrollierbar und individuell anpassbar ist.

lokale soziale Nachbarschaftsnetzwerke für Bürgerengagement und Bürgerbeteiligung

Nun haben auch Bürgermeister die Möglichkeiten  von „geosocial networking“ erkannt, die Interessengruppe der interessierten Bürgerschaft in einem Nachbarschaftsnetzwerke oder Bürger-Communities für den stetigen Bürgerdialog, Engagementsförderung und eine aktive Stadtentwicklung nutzbar zu machen. Doch dazu muss das Netzwerk zahlreiche Mehrwerte bieten und eine breite Öffentlichkeit erreichen. Das funktioniert aber nicht, wenn das System nach innen gerichtet ist.
Denn nur wenn ein System dem Nutzer einen erkennbaren Mehrwert bietet, wird er bereits sein, seine Zeit, Geld oder persönliche Daten dafür herzugeben. Und diese werden für einen optimalen Service nun mal benötigt.

 

Wissenschaftler denken bereits seit Jahren daran, lokale Soziale Netzwerke für so genannte Milieus, also Gruppen mit ähnlichem Habitus, Interessensgemeinschaften oder eben Nachbarschaft einzusetzen. „Denn in der soziologischen Netzwerkforschung wird die „Gesellschaft“ bereits als Netzwerk betrachtet“, so Dr. Phil. Helga Jonuschat. „Solche Teilnetze sind dabei für die stadtsoziologische Forschung von besonderer Bedeutung. Die Frage nach dem Wandel des städtischen Zusammenlebens durch neue Technologien schließt an eine Diskussion an, für die der Begriff der „Gemeinschaft“ ausschlaggebend ist. Mit Gemeinschaft werden demnach Kollektive bezeichnet, deren Mitglieder durch soziale Interaktion soziale Beziehungen aufrechterhalten, aus denen sie persönliche Unterstützung erhalten. Zusätzlich beinhaltet der Begriff der Gemeinschaft Bedingungen für das jeweilige Kollektiv, wie z.B. eine hohe Bindung, Solidarität oder ein Zusammengehörigkeitsgefühl.“

Comments are closed.