System für integrierte Bürgerbeteiligung und Engagementförderung

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Getragen von einem unglaublichen Wir-Gefühl

Ein komplexes Online-Dialog-System, das seinesgleichen sucht und wo ein Jeder die Zukunft seiner Region oder Stadt mitgestalten kann – mit Herz und Hirn

Eine Stadt macht mobil: in der Tat und online auf www.fuldabistdu.de. Und das Echo? Nachbarschaftsideen, Initiativen, Projekte … Da haben kompetente Bürger über eine kostengünstige und umweltschonende Umgehungsstraße nachgedacht, da finden sich Beiträge und Meinungen zur Ansiedlung einer Seniorenresidenz, es wird ein Hilfsprojekt für traumatisierte Flüchtlingskinder gestartet, eine Firma bietet arbeitslosen Jugendlichen eine Perspektive, ein Kulturprojekt sucht Unterstützer, Fahrgemeinschaften organisieren sich, es werden die Chancen neuer Berufsideen diskutiert ebenso wie die Integration der derzeit fünfhundert Asylsuchenden in der Stadt …

Fakt ist: Ideen – die Begabungen, die sie hervorbringen – und Systeme, in denen sie sich entfalten können, sind die drei Aspekte, die im globalen Wettbewerb von zentraler Bedeutung sind. Und sie sind es ebenso im Wettbewerb der Städte und Regionen – ökonomisch, kulturell, intellektuell …

Das könnte kein Kämmerer mit Geld bezahlen

Daher wären mit einem virtuosen Beteiligungssystem, das die Vielfalt an Wissen, an Talenten und Denkhaltungen engagierter Bürger vereint, Potentiale zu heben, die kein Kämmerer mit Geld bezahlen könnte.

Nun ist die Beteiligung der Öffentlichkeit an politischen oder planerischen Entscheidungen in Deutschland eigentlich nichts Neues. Erst recht nicht, seit das Internet zum aktiven Dialogmedium (Social Media) gereift ist. Eine empirische Studie aus dem Jahr 2011 ergab, dass auf kommunaler Ebene 52 Prozent der befragten 300 größeren Städte ein aktives Angebot haben.

Die Crux ist, das Gros der elektronischen Bürgerbeteiligungssysteme kommt uninspiriert und seelenlos als reine Textwüste daher. Technologisch meist kalter Kaffee; Web 1.0, mehr nicht.

Dabei wird oft und gern Willy Brandts Motto von „mehr Demokratie wagen“ zitiert. Doch wagt man sie offensichtlich nicht wirklich. Mitsprache gestattet man in der Regel den Bürgern nur temporär bei Planungsvorhaben, wie beispielsweise beim Bürgerhaushalt oder zum Verkehr.

Da geht es bei dem Content- & Community-Management System schon bunter zu, das der Fuldaer Diplom-Informatiker Helge Mühr mit seiner Firma mührmedia nach vierjähriger Entwicklungsarbeit an den Start bringt.

„Man muss nicht nur die Köpfe gewinnen …“

Sein regionales Pilotprojekt für Osthessen – www.fuldabistdu.de – hebt sich schon optisch und in seiner multimedialen Funktionalität und interaktiven Dramaturgie von den üblichen Bürgerbeteiligungsmedien im Land ab. Das hat viel mit Mühr selber zu tun. Ihm geht es nicht nur um ein Produkt, sondern auch um Geschichten, Gefühle und Werte. „Man muss nicht nur die Köpfe“, sagt er, „sondern auch die Herzen der Bürger gewinnen.“

Nur so entstünde letztlich eine Bürgerkommune mit einer vitalen Stadtentwicklung und einem zupackenden Engagement von mündigen Bürgern.

Seine multimediale Bürger-Community-Plattform soll künftig der Ort sein, wo sich die Bürger, ihre Politiker und die kommunale Verwaltung begegnen, aber auch Unternehmen, Organisationen und Vereine mit ihrer sozialen Verantwortung. Wo es um lokale Anliegen und Zukunftsentwürfe geht, um zivilgesellschaftliches Engagement und Lebensqualität. Getragen von einem “unglaublichen Wir-Gefühl”, so Mühr.

Die bloße Bereitstellung einer Diskussionsplattform oder digitalen Bürgerservices reicht bei weitem nicht aus, um Online-Beteiligung quantitativ und qualitativ erfolgreich durchzuführen. Das haben viele Projekte schmerzlich und teuer erfahren müssen. Denn erfolgreiche Bürgerbeteiligung braucht eine breite Basis. Es müssen möglichst viele Teilnehmer aus unterschiedlichen Bevölkerungsschichten erreicht und in den Bürgerbeteiligungsprozess  eingebunden werden. Bei integrierter Bürgerbeteiligung haben alle Akteure die Möglichkeit, ihre Ideen, Wünsche und Vorstellungen sowohl bei Veranstaltungen und Aktionen vor Ort einzubringen als auch über die Online-Dialog-Plattform in den Prozess einfließen zu lassen, diese zu diskutieren, zu bewerten, zu unterstützen.

Anwendungsvielfalt statt Einfalt

Das durchgängig interaktive Medienmodell, im Layout magazinig aufgemacht, ist als lokale Soziales Netzwerk (Nachbarschaftsnetzwerk) für Bürgerbeteiligung und zivilgesellschaftliches Engagement (Ehrenamt) aufgebaut. Es können Fragen und Szenarien, Wünsche und Bedürfnisse, Mängel und Meldungen diskutiert, regionale und lokale Initiativen und Projekte ins Leben gerufen und gemeinsam Probleme gelöst werden. Es geht um Informationen, Hintergründe und Zusammenhänge, um Teilhabe und Mitsprache der Bürger an Entscheidungsprozessen.

„Ideen, die vielleicht im wahren Leben ignoriert werden, finden hier Aufmerksamkeit. Erhalten hier ein Feedback, Bestätigung – und ein Gesicht. Denn ob Bürgern, Vereinen, Organisationen oder Abgeordneten, Bürgermeister und kommunalen Verwaltern, ihnen allen stehen Benutzer- und Persönlichkeitsprofile zur Verfügung. So lernt man die Akteure kennen, ihre Zuständigkeiten, Talente, Interessen … Und hat konkrete Ansprechpartner.

Keine Frage, die Technik eröffnet mit ihren Funktionen, Verknüpfungen und Algorithmen völlig neue Möglichkeitsräume. So verfügt die ausgefeilte Community-Software von mührmedia über relevante Filter- und Bewertungsmechanismen. Beiträge und Initiativen können zudem in einer Karte georeferenziert verortet werden (location tagged user generated content).

Stuttgart 21 hätte es so wohl nie gegeben

Da dieses System zugleich ein Stimmungsbarometer ist, oder als Abstimmungsinstrument genutzt werden kann, hilft es, frühzeitig aufkommendem Unmut und problematischen Entscheidungen vorzubeugen. Stuttgart 21 hätte es wohl so nie gegeben.

Mühr spricht von kommunalem oder regionalem “Community Building und Community Organizing”, seiner Ansicht nach ein Alleinstellungsmerkmal seines Systems. Auch übers Handy. Wer über eine regionale Community interessierter und engagierter Bürger verfüge, glaubt er, könne das vielseitige Wissen und die Kreativität einer breiten Bürgerschaft dauerhaft in die Gestaltung ihres urbanen Lebensraums mit einbinden.

Dauerhaft, das ist für ihn das Schlüsselwort. Dauerhafte Beziehungen zwischen den Interessen der Bürger, der Politik und Verwaltung zu organisieren. Dauerhaft die Intelligenz und das Commitment einer breiten Bevölkerungsschicht effizient nutzbar und Information und Kommunikation zu einem ständigen Kollektiverlebnis zu machen.

Ein stetiger Beteiligungsprozess jedoch benötige permanent neue Impulse, Aktivitäten und Resonanzen, weiß Mühr. „Wenn nichts passiert, sind die User schnell wieder verschwunden.“ Deshalb müssten immer wieder neue Aktionen und emotionale Events auch im öffentlichen Raum geschaffen werden. Nach dem ehernen Marketinggesetz: „Wer die Emotionen gewinnt, gewinnt die Menschen“.

Dass man für sein Projekt werben muss – nicht nur virtuell, auch atmosphärisch -, das bewies der Entwickler einmal mehr bei seinem Referenzprojekt „Der Jugenddialog“, das er in Zusammenarbeit mit der Stadt Fulda und gefördert von der Robert Bosch Stiftung über www.fuldabistdu.de gerade durchführt. Über 80 Prozent der Schüler und Jugendlichen in der Barockstadt konnten für dieses bundesweit einmalige Modellprojekt motiviert werden.

Bei dieser Initiative werden die Phantasie und die schöpferische Energie der Jugendlichen mobilisiert. Und nebenbei Kompetenzen wie Soziale Intelligenz, Initiative, Verantwortungsbewusstsein, Vorbildfunktion, Teamfähigkeit trainieren. Und Werte wie Respekt, Toleranz, Gemeinsinn, Hingabe erfahren.

Man muss für sein Projekt werben – virtuell und atmosphärisch

Dafür ließ Mühr in den Schulen, Jugendtreffs und Jugendorganisationen sowie an öffentlichen Plätzen in Fulda Ideen-Pinnwände und Wunsch-Boxen aufstellen, wo sich ein Jeder mit seinen Ideen einbringen konnte, präsentierte sein Konzept vor Multiplikatoren und der lokalen Presse, und war mit einer groß angelegten Plakataktion im Stadtgebiet präsent, wo er mit emotionalen Motiven und Sprüchen den Start seiner Partizipationsplattform publik machte.

Für die „allgemeine Mobilmachung“ hat er einen erfahrenen Strategen an seine Seite geholt. Mit ihm baut er zudem einen Service auf, der zu seiner in Lizenz zu übernehmenden Software ein mediales Sortiment anbietet, von kompletten Präsentations- und Werbematerialien über diverse Marketingimpulse bis hin zu Pressetexten.

Mit diesem Angebot will mührmedia jenen Leaderregionen und Kommunalberatern Arbeit abnehmen, die sich für dieses System entschieden haben und die im Hinblick auf ihre personellen Marketingkompetenzen limitiert sind.

Später will Mühr mit seinem Beteiligungssystem die Deutschlandkarte über die Eingabe der Postleitzahl und GPS-Lokalisierung möglichst lückenlos füllen. Was mit seiner CommunitySoftware technisch heute bereits möglich wäre.

Dann ließe sich behaupten: „Deutschland macht mobil!“

Henry Joe Heibutzki

Erschienen im „Splitter“ Ausgabe 4/2015 des IT-Dienstleistungszentrums Berlin.

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