Bürgergesellschaft heute – Community Care, Ehrenamt und bürgerschaftliches Engagement

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Der Begriff „Community Care“ beschreibt die Merkmale einer zivilisierten Gesellschaft, die sich um ihre Mitglieder kümmert und ihnen Wahlmöglichkeiten für ihre Lebensgestaltung bietet. (Wikipedia)

Die Mitgliederzahlen in Organisationen, Vereinen und Parteien sinken seit Jahren rapide. Nach dem von der Bundesregierung beauftragten Freiwilligensurveys sind ca. 1/3 der Bundesbürger ehrenamtlich engagiert. Laut Brudney und Meijs (2009) stagniert oder sinkt die Anzahl der bürgerschaftlich Engagierten, weil das bürgerschaftliche Engagement von den Organisationen, die das Engagement abrufen und nutzen, nicht nachhaltig gepflegt, sondern zugunsten kurzfristiger, rein organisationsbezogener Ziele geopfert wird.

Das Engagement in unserer Gesellschaft scheint sich zunehmend von den traditionellen Formen weg- und in neue Organisationsformen der Bürgergesellschaft hinein zu verlagern (vgl. Rucht 2010; Dathe/Priller/Thürling 2010).

Deshalb versucht man mit Kampagnen die Stärkung des Ehrenamtes und die Akquise neuer sozial engagierter Menschen landesweit voran zu treiben. Bei Jugendlichen fruchtet das wenig.

„Jugendliche engagieren sich eher kurzfristig“

Dr. Sabine Pokorny, Autorin der Jugendstudie, im SWRinfo-Interview

Die meisten Ansätze zur Förderung des Bürgerengagements kranken jedoch oft daran, dass die Kampagnen den Aspekt der Rekrutierung und Anwerbung in den Mittelpunkt stellen. Die Initiatoren befassen sich zu wenig mit der Frage, wie eine Einrichtung oder Organisation die bereits existierenden Freiwilligen besser halten und pflegen kann, damit sie sich gerne und langfristiger engagieren. Im allgemeinen wird das auf neudeutsch mit Community Organizing oder Community Management bezeichnet.

Bürgerkommune heute – vom Ehrenamt zum bürgerschaftlichen Engagement

In den letzten Jahrzehnten hat sich ein deutlicher Wandel im Selbstverständnis von Engagierten ereignet. In diesem Wandel zeigen sich Veränderungen in den Interessen, den Motiven und dem Verhalten der Engagierten.
Die Wertschätzung und die Bildung von Freiwilligen, die der Staat anstrebt, sind wichtig, – aber nicht ausreichend. Es geht um Mitgestaltung und Mitbestimmung bzw. um die Frage, wie Bürger gemeinsam mit sozialen Diensten Hilfe konzipieren und anbieten können.

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In Vereinen sind noch die meisten Menschen organisiert.

Viele die sich gern sozial engagieren möchten, haben schnell erkannt, dass sie oft als billige ehrenamtliche Arbeitskräfte missbraucht werden. Ihre körperliche Hilfe und ihre Freizeit sind gefragt, nicht aber ihre Nachbarschaftsideen und Kompetenzen als Mitdenker und  Mitplaner.

Denn, wer sich engagiert, tut dies nicht nur für Andere. In den Motivlagen der heutigen Engagierten bündeln sich vielmehr Solidarität und Selbstverwirklichung.

Motive wie „etwas für das Gemeinwohl tun“ und „anderen Menschen helfen“ stehen gleichrangig neben dem Interesse an Sozialkontakten mit Gleichgesinnten, der Erweiterung eigener Erfahrungen und Kompetenzen sowie auch der Vertretung eigener Interessen oder Lösung eigener Probleme (Rosenbladt 2000: 113 u. Enquete-Kommission 2002: 113ff.). Auch Motive des Qualifikationserwerbs sowie das Knüpfen von Kontakten, die von beruflichem Nutzen sein können, gewinnen immer mehr an Bedeutung (Gensicke/Picot/Geiss 2006).
(aus „Internet und digitale Bürgergesellschaft“)

Das paowao-System bietet hier eine sehr pragmatische Lösung.

Das paowao-System wird diesem modernen Verständnis von Nachbarschaft und bürgerschaftlichem Engagement gerecht, denn die Kommunikations- und Sozialstruktur des paowao-Systems bilden eine „Community“ mit großen Solidaritätspotenzialen, in der die Mitglieder sich aber nicht aus purem Gutmenschentum zusammenfinden, sondern auch aus dem Bewusstsein heraus, dass der gemeinsame Austausch bzw. das gemeinsame Engagement mit anderen auch dem Einzelnen nützt bzw. weiterhilft.

Deshalb kann sich jedes Mitglied einer Organisation, Verband, Verein oder Interessengemeinschaft  im paowao-System ein Persönlichkeitsprofil anlegen und sich selbst, sein Engagement, seine Interessen und seinen Engagementwillen transparent machen. Andere Mitglieder sehen so, wer zu welchem Thema angesprochen werden kann, wer sich wo engagieren möchte und welche Themenbereiche die Mitglieder speziell interessieren.
Auf der anderen Seite präsentieren sich die Organisationen, Vereine und Verbände mit ihrem Profil und Aktionen, Projekten und Initiativen. Sie berichten über aktuell laufende oder geplante Projekte und über Projektideen, zu denen Sie konkrete Unterstützung benötigen.

So können sich die Interessierten einen guten Überblick über für sie interessante Projekte machen und mit dem jeweiligen Ansprechpartner direkt in Kontakt treten oder aber der Vorsitzende oder Delegierte eines Vereines kontaktiert einen Hilfswilligen über dessen Persönlichkeitsprofil.

Alle Nutzer können sich zu Projekten und Ideen äußern, ihre Meinung sagen, diskutieren, bewerten, teilen und öffentlich ihre Unterstützung kund tun. Hier werden das persönliche Engagement des Einzelnen und das der Organisationen und Interessengruppen transparent.

Ohnehin gedeihen soziale Innovationen besser aus der Gesellschaft selbst heraus. Den Institutionen fehlt es an Phantasie für unkonventionelle Initiativen, durch die erst ein vitaler Zusammenhalt wächst.“ Henry Joe Heibutzki

 

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